KURZ GESAGT

Der IOSS (Import-One-Stop-Shop) betrifft dich als Dropshipper, sobald Ware direkt aus einem Drittland (z. B. China) an EU-Konsumenten geht und der Sachwert pro Sendung maximal 150 Euro beträgt. Du kassierst die Umsatzsteuer des Ziellandes schon im Checkout und meldest sie monatlich bis zum Ende des Folgemonats über FinanzOnline. Verkaufst du über Marktplätze wie AliExpress oder Amazon, schuldet meist die Plattform die Steuer – im eigenen Shopify-Shop bist du selbst zuständig.

Was ist der IOSS – und warum trifft er Dropshipper mitten ins Geschäftsmodell?

Seit dem 1. Juli 2021 gibt es in der EU keine Umsatzsteuer-Freigrenze für Kleinsendungen mehr. Die alte 22-Euro-Grenze ist Geschichte: Jede Sendung aus einem Drittland ist einfuhrumsatzsteuerpflichtig – auch das 4-Euro-Handyhülle-Paket aus Shenzhen. Genau dafür wurde der IOSS (Import-One-Stop-Shop) geschaffen: Du verrechnest die Umsatzsteuer des Bestimmungslandes direkt im Checkout (für österreichische Kunden also in der Regel 20 %), meldest sie gesammelt über eine monatliche Meldung – und die Sendung läuft ohne Einfuhrumsatzsteuer und ohne Stopp beim Zoll durch.

Warum das Dropshipper mehr betrifft als jeden anderen Onlinehändler? Weil das klassische Dropshipping-Setup – Kunde bestellt in deinem Shop, dein Lieferant in China verschickt direkt an die Haustür – exakt der Fall ist, für den der IOSS gebaut wurde: Fernverkauf von aus dem Drittland eingeführten Waren. Während ein FBA-Händler mit EU-Lager sich eher mit dem OSS beschäftigt, ist beim Direktversand aus dem Drittland der IOSS dein Thema Nummer eins.

Die 150-Euro-Grenze: Wann der IOSS greift – und wann nicht

Der IOSS gilt nur für Sendungen mit einem Sachwert bis 150 Euro. Drei Dinge werden dabei in der Praxis ständig falsch verstanden:

  • Sachwert = Warenwert ohne Steuern und ohne separat ausgewiesene Transport- und Versicherungskosten. Ein Warenkorb von 145 Euro plus 9 Euro getrennt ausgewiesenem Versand bleibt also IOSS-fähig.
  • Die Grenze gilt pro Sendung, nicht pro Artikel. Zwei Produkte zu je 90 Euro in einem Paket sind 180 Euro Sachwert – kein IOSS. Achtung: Eine Bestellung künstlich in mehrere Pakete zu splitten, nur um unter 150 Euro zu bleiben, sehen die Zollbehörden gar nicht gern.
  • Über 150 Euro läuft alles über die normale Einfuhr: Einfuhrumsatzsteuer plus gegebenenfalls Zoll. Der IOSS ist dann schlicht nicht anwendbar.

Wann du den IOSS NICHT brauchst

Liegt deine Ware bereits in einem EU-Fulfillment-Center (etwa bei einem europäischen Dropshipping-Agenten oder Amazon-Lager), ist das kein Import-Fernverkauf mehr. Dann bist du beim ganz normalen innergemeinschaftlichen Fernverkauf – und ab 10.000 Euro EU-weitem Umsatz beim OSS. Viele Dropshipper fahren übrigens beides parallel: Bestseller im EU-Lager (OSS), Longtail direkt aus China (IOSS). Genau dann brauchst du beide Systeme sauber getrennt in der Buchhaltung.

Plattform oder eigener Shop: Wer schuldet die Umsatzsteuer?

Das ist die Frage, an der sich entscheidet, ob du selbst einen IOSS brauchst – und hier kommt die sogenannte Plattformfiktion ins Spiel:

Verkauf über einen Marktplatz

Verkaufst du deine Importware bis 150 Euro über eine Plattform wie Amazon, eBay oder Etsy, wird die Plattform steuerlich zum fiktiven Lieferer ("deemed supplier"). Heißt: Die Plattform schuldet die Umsatzsteuer gegenüber dem Kunden und verwendet ihre eigene IOSS-Nummer. Du lieferst steuerlich an die Plattform – dein Verwaltungsaufwand für die USt auf diese Verkäufe sinkt massiv. Vergiss aber nicht: Die Plattformen melden deine Umsätze ohnehin jährlich bis 31. Jänner ans Finanzamt (DAC7 bzw. in Österreich DPMG). Unsichtbar bist du nie.

Verkauf über den eigenen Shop

Läuft dein Geschäft über einen eigenen Shopify- oder WooCommerce-Store, gibt es keine Plattform, die für dich einspringt. Dann bist du selbst der Steuerschuldner – und brauchst entweder eine eigene IOSS-Registrierung oder du lässt die Sendungen ohne IOSS laufen (mit allen Nachteilen, dazu gleich). Genau diese Konstellation ist der Kern unserer Arbeit als Steuerberater für Dropshipping: eigener Shop, Direktversand aus dem Drittland, und niemand hat dem Gründer je erklärt, dass er ein eigenes IOSS-Thema hat.

Aus meiner Beratungspraxis: Die meisten Dropshipping-Gründer glauben, ihr chinesischer Lieferant oder die Agentur "macht das mit den Steuern schon". Macht sie in 9 von 10 Fällen nicht – oder sie nutzt eine IOSS-Nummer, deren Herkunft du nicht nachvollziehen kannst. Steuerschuldner in der EU bleibst trotzdem du.

Ohne IOSS: Was dein Kunde an der Haustür erlebt – und was es dich kostet

Der IOSS ist freiwillig. Du kannst also auch ohne verkaufen. Nur: Dann wird die Einfuhrumsatzsteuer bei der Einfuhr fällig – und in der Praxis kassiert sie der Zusteller vom Kunden an der Haustür, plus einer Bearbeitungsgebühr des Post- oder Paketdienstes. Dein Kunde hat 29,90 Euro im Checkout gezahlt und soll bei Zustellung plötzlich nachzahlen. Was dann passiert, kennt jeder, der Dropshipping ernsthaft betreibt: Annahmeverweigerung, Rückläufer, PayPal-Disputes, 1-Sterne-Bewertungen.

Mit IOSSOhne IOSS
Preis im CheckoutEndpreis inkl. USt – keine ÜberraschungenKunde zahlt EUSt + Zustellergebühr bei Lieferung nach
ZollabwicklungSchnell, Sendung läuft durchSendung kann hängen bleiben, längere Laufzeit
KundenerlebnisWie bei jedem EU-ShopAnnahmeverweigerung & Retouren-Risiko
Dein AufwandMonatliche IOSS-MeldungKein Meldeaufwand, dafür Support-Chaos
Conversion & BewertungenStabilMessbar schlechter – Vertrauensverlust

Meine klare Einschätzung: Sobald du mehr als eine Handvoll Sendungen pro Monat direkt aus dem Drittland verschickst, ist der IOSS keine Steuer-Frage mehr, sondern eine Conversion-Frage. Kein seriöser Shop kann sich Nachzahlungen an der Haustür leisten.

IOSS-Registrierung und monatliche Meldung: So läuft es in Österreich

Als österreichisches Unternehmen registrierst du dich für den IOSS über FinanzOnline. Einen Vermittler (Intermediär) brauchst du als EU-Unternehmer nicht – das ist nur für Nicht-EU-Unternehmen Pflicht. Nach der Registrierung bekommst du deine IOSS-Identifikationsnummer, und die ist das Herzstück des Systems:

  1. IOSS-Nummer an Lieferant bzw. Logistiker weitergeben. Sie muss in den elektronischen Zolldaten jeder Sendung stehen – sonst läuft die Sendung wie ohne IOSS und dein Kunde zahlt doppelt (du hast USt im Checkout kassiert, er zahlt EUSt an der Tür).
  2. USt des Ziellandes im Checkout verrechnen. Für Österreich in der Regel 20 %, für andere EU-Länder deren jeweiliger Satz – dein Shopsystem muss das je Lieferland korrekt können.
  3. Monatliche IOSS-Meldung abgeben: jeweils bis zum Ende des Folgemonats über FinanzOnline, die Zahlung ist zeitgleich fällig. Anders als der OSS (quartalsweise) ist der IOSS ein Monatsrhythmus – das unterschätzen viele.
  4. Aufzeichnungen 10 Jahre aufbewahren. Jede EU-Steuerbehörde kann sie elektronisch anfordern.

Wichtig fürs Selbstverständnis: Der IOSS ersetzt nicht deine österreichische Buchhaltung. UVA, Einkommensteuer, SVS – das läuft alles parallel weiter. Der IOSS regelt nur die Umsatzsteuer auf die Import-Fernverkäufe.

Fünf Stolperfallen aus meiner Beratungspraxis

Diese Fehler sehe ich bei Dropshipping-Mandanten immer wieder – und jeder davon ist vermeidbar:

  • 1. Die IOSS-Nummer zu freizügig geteilt. Deine Nummer gehört nur an vertrauenswürdige Fulfillment-Partner. Wird sie missbraucht (andere schleusen ihre Sendungen unter deiner Nummer durch), landet die Steuerschuld erst einmal bei dir. Gib sie nie in öffentliche Kanäle, Foren oder an wechselnde AliExpress-Verkäufer.
  • 2. Blind auf das DDP-Versprechen des Lieferanten vertraut. "Delivered Duty Paid" klingt gut, sagt aber nichts darüber, ob die USt korrekt in einem IOSS gemeldet wird. Lass dir zeigen, welche Nummer verwendet wird – oder registriere dich selbst.
  • 3. IOSS und OSS in der Buchhaltung vermischt. Wer EU-Lager und Direktversand kombiniert, braucht sauber getrennte Umsatzkreise. Sonst wird die Abstimmung zwischen Shopify-Berichten, Zahlungsanbietern und Meldungen zum Blindflug.
  • 4. Den Monatsrhythmus verschlafen. Wiederholt verspätete IOSS-Meldungen können zum Ausschluss aus dem Verfahren führen – und dann stehst du wieder bei "Kunde zahlt an der Haustür".
  • 5. Geglaubt, die Kleinunternehmerregelung löst das Problem. Die österreichische Kleinunternehmerregelung (55.000 Euro brutto) macht dich beim Import-Fernverkauf nicht automatisch steuerfrei – dieser Fall gehört individuell geprüft, bevor du auf USt im Checkout verzichtest.

Ein typisches Beispiel: Ein Mandant kam mit einem Shopify-Store und rund 600 Direktsendungen pro Monat aus China zu mir – ohne IOSS, mit einer Retourenquote, die das Geschäft fast gekillt hätte. Nach Registrierung, Umstellung des Checkouts auf länderrichtige USt-Sätze und Übergabe der Nummer an den Fulfillment-Agenten war das Haustür-Problem weg. Der Mehraufwand: eine Meldung pro Monat, die ohnehin aus den Shopdaten fällt.

IOSS vs. OSS: Zwei Systeme, die ständig verwechselt werden

Zum Schluss die Abgrenzung, die in Erstgesprächen am häufigsten fehlt:

IOSSOSS (EU-OSS)
AnwendungsfallDirektversand aus dem Drittland an EU-KonsumentenWare lagert bereits in der EU, Versand an Konsumenten in anderen EU-Ländern
Wertgrenze / SchwelleSachwert max. 150 € pro SendungLieferschwelle 10.000 € netto EU-weit gesamt
MeldefrequenzMonatlich, bis Ende des FolgemonatsQuartalsweise, bis 31.1. / 30.4. / 31.7. / 31.10.
Registrierung (AT)FinanzOnlineFinanzOnline
Typischer NutzerDropshipper mit China-DirektversandShop mit EU-Lager, FBA-Händler

Wenn du tiefer in den OSS einsteigen willst: Im Ratgeber OSS einfach erklärt habe ich das Schwestersystem im Detail aufgedröselt. Für viele wachsende Dropshipping-Shops ist der Weg ohnehin vorgezeichnet: Erst IOSS für den Direktversand, später zusätzlich OSS, sobald die Bestseller in ein EU-Lager wandern.

Fazit: IOSS ist beim Dropshipping kein Nice-to-have

Wenn du im eigenen Shop Ware bis 150 Euro Sachwert direkt aus dem Drittland an EU-Kunden verschickst, führt am IOSS praktisch kein Weg vorbei – nicht wegen einer Pflicht, sondern weil dein Geschäftsmodell ohne ihn an der Haustür deiner Kunden stirbt. Die Mechanik selbst ist überschaubar: registrieren, Checkout richtig konfigurieren, Nummer an den Logistiker, monatlich melden. Die Tücken stecken in der Abgrenzung (Plattform oder eigener Shop? Drittland oder EU-Lager?) und in der sauberen Verbuchung neben UVA, OSS und Zahlungsanbieter-Abrechnungen.

Genau dafür gibt es uns: Als Steuerberater für Dropshipping setzen wir IOSS, OSS und deine laufende Buchhaltung aus einer Hand auf – 100 % remote, mit Fixpreis schriftlich nach dem Erstgespräch. Wenn du wissen willst, wie dein Setup steuerlich sauber aussieht, buch dir einfach ein kostenloses Erstgespräch. Kein Verkaufsgespräch, sondern eine ehrliche Einschätzung, was du wirklich brauchst.

DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE

  • Der IOSS gilt für Direktsendungen aus Drittländern an EU-Konsumenten bis 150 Euro Sachwert pro Sendung – die USt wird im Checkout kassiert und monatlich gemeldet.
  • Verkauf über Marktplätze: Die Plattform schuldet als fiktiver Lieferer die USt. Eigener Shopify-Shop: Du brauchst eine eigene IOSS-Registrierung.
  • Ohne IOSS zahlt dein Kunde Einfuhrumsatzsteuer plus Zustellergebühr an der Haustür – mit Annahmeverweigerungen, Retouren und schlechten Bewertungen als Folge.
  • Die IOSS-Meldung ist monatlich bis zum Ende des Folgemonats über FinanzOnline fällig; Aufzeichnungen musst du 10 Jahre aufbewahren.
  • IOSS ist nicht OSS: Der OSS gilt für Ware, die bereits in der EU lagert (Lieferschwelle 10.000 Euro), und wird quartalsweise gemeldet.

Häufige Fragen

Brauche ich als Dropshipper einen eigenen IOSS, wenn mein Lieferant auf AliExpress sitzt?

Entscheidend ist, wo dein Kunde kauft: Verkaufst du über einen Marktplatz, schuldet die Plattform als fiktiver Lieferer die Umsatzsteuer und nutzt ihre eigene IOSS-Nummer. Verkaufst du über deinen eigenen Shop (Shopify, WooCommerce), bist du selbst Steuerschuldner und brauchst eine eigene IOSS-Registrierung – egal, wo dein Lieferant einkauft oder sitzt.

Was zählt zum Sachwert von 150 Euro?

Der Sachwert ist der Warenwert ohne Steuern und ohne separat ausgewiesene Transport- und Versicherungskosten – und er gilt pro Sendung, nicht pro Artikel. Zwei Produkte zu je 90 Euro in einem Paket überschreiten die Grenze also. Das künstliche Splitten einer Bestellung in mehrere Pakete, nur um unter 150 Euro zu bleiben, ist riskant und fällt beim Zoll auf.

Ist der IOSS Pflicht?

Nein, der IOSS ist freiwillig. Ohne IOSS wird die Einfuhrumsatzsteuer aber bei der Einfuhr fällig und in der Praxis vom Zusteller beim Kunden kassiert – samt Bearbeitungsgebühr. Für einen ernsthaften Dropshipping-Shop ist das faktisch keine Option, weil Annahmeverweigerungen, Retouren und schlechte Bewertungen die Folge sind.

Wann und wo muss ich die IOSS-Meldung abgeben?

Monatlich, jeweils bis zum Ende des Folgemonats, elektronisch über FinanzOnline – die Zahlung ist zeitgleich fällig. Anders als der OSS (quartalsweise) läuft der IOSS im Monatsrhythmus. Wiederholt verspätete Meldungen können zum Ausschluss aus dem Verfahren führen.

Kann ich den IOSS auch für Sendungen über 150 Euro nutzen?

Nein. Über 150 Euro Sachwert läuft die Sendung über die normale Einfuhrabwicklung mit Einfuhrumsatzsteuer und gegebenenfalls Zoll. Dann solltest du vertraglich sauber regeln, wer als Importeur auftritt (Stichwort Incoterms) – sonst steht wieder dein Kunde mit der Rechnung an der Haustür.

StB Julian Richer

StB Julian Richer

Steuerberater für Onlinehändler & Betriebe in Österreich · Mitglied der KSW

Ich mach Steuern für Onlinehändler:innen, Startups und Tourismusbetriebe – digital, in ganz Österreich und ohne Beamtendeutsch. Mehr über mich →