KURZ GESAGT
Eine GmbH-Gründung in Österreich kostet 2026 realistisch rund 1.500 bis 5.000 Euro an echten Gründungskosten (Notar, Firmenbuch, Beratung) – plus das Mindeststammkapital von 10.000 Euro, von dem mindestens 5.000 Euro bar einzuzahlen sind. Das Stammkapital ist dabei keine Gebühr, sondern bleibt Betriebsvermögen. Mit dem NeuFöG-Formular NeuFö2 sparst du dir unter anderem die Gerichtsgebühren. Dazu kommen laufende Kosten: Mindest-Körperschaftsteuer 500 Euro/Jahr und Bilanzierungspflicht.
Die Kosten einer GmbH-Gründung auf einen Blick
Die wichtigste Unterscheidung gleich vorweg, weil sie in vielen Erstgesprächen für Verwirrung sorgt: Das Stammkapital ist keine Gründungsgebühr. Die 10.000 Euro Mindeststammkapital (seit 2024, davon mindestens 5.000 Euro bar einzuzahlen) wandern auf das Geschäftskonto deiner GmbH – und du kannst damit sofort arbeiten: Ware einkaufen, Software bezahlen, Marketing schalten. Weg ist nur, was du tatsächlich an Notar, Gericht und Berater zahlst.
| Kostenposition | Richtwert (Orientierung) | Einmalig / laufend |
|---|---|---|
| Stammkapital (bar einzuzahlen) | mind. 5.000 € (von 10.000 € gesamt) | einmalig, bleibt Betriebsvermögen |
| Notar (Gesellschaftsvertrag, Beglaubigungen) | ca. 1.000 – 3.000 € | einmalig |
| Firmenbucheintragung (Gerichtsgebühren) | einige hundert Euro – mit NeuFöG oft 0 € | einmalig |
| Gewerbeanmeldung | kostenlos | einmalig |
| Steuerberater (Gründungsberatung, Eröffnungsbilanz) | ca. 500 – 2.000 € | einmalig |
| Mindest-Körperschaftsteuer | 500 € / Jahr | laufend |
| Buchhaltung + Jahresabschluss (Bilanz) | ca. 2.500 – 6.000 € / Jahr je nach Umfang | laufend |
Alle Beträge sind marktübliche Richtwerte zur Orientierung – kein Fixpreis-Versprechen. Die tatsächlichen Kosten hängen stark davon ab, ob du alleine gründest oder mit mehreren Gesellschaftern, wie komplex dein Gesellschaftsvertrag ist und wie viele Belege später in der Buchhaltung landen.
Stammkapital: 10.000 Euro – aber nicht verloren
Seit dem 1.1.2024 beträgt das Mindeststammkapital einer österreichischen GmbH 10.000 Euro, davon müssen mindestens 5.000 Euro in bar auf ein Konto der Gesellschaft eingezahlt werden. Die früher übliche „gründungsprivilegierte GmbH" ist damit Geschichte – der Gesetzgeber hat das Mindestkapital einfach dauerhaft gesenkt.
Aus meiner Praxis mit E-Commerce-Gründern: Viele planen die 10.000 Euro fälschlicherweise als „Kosten" ein und erschrecken. Dabei ist das Geld ab Tag eins dein Working Capital. Wer einen Onlineshop startet, steckt die 5.000 Euro Bareinlage typischerweise direkt in den ersten Wareneinkauf oder das Shopify-Setup. Wichtig ist nur: Das Konto darf zum Zeitpunkt der Firmenbuchanmeldung die Einzahlung ausweisen (Bankbestätigung), danach ist das Geld frei verfügbar – für betriebliche Zwecke, nicht für private Entnahmen.
FlexKapG als Alternative?
Seit 2024 gibt es auch die FlexKapG (Flexible Kapitalgesellschaft) – ebenfalls mit 10.000 Euro Mindeststammkapital, aber mit Unternehmenswert-Anteilen für Mitarbeiterbeteiligungen und teils reduzierten Formvorschriften. Kostenmäßig liegt die Gründung in einer ähnlichen Größenordnung wie die GmbH. Für die meisten Onlinehändler ohne Investoren- oder Mitarbeiterbeteiligungs-Pläne bleibt die klassische GmbH meiner Einschätzung nach die einfachere Wahl – die FlexKapG spielt ihre Stärken erst aus, wenn Beteiligungen ein Thema werden.
Notar, Firmenbuch & Behördenweg im Detail
Die GmbH entsteht rechtlich erst mit der Eintragung ins Firmenbuch. Bis dahin fallen diese Schritte und Kosten an:
- Gesellschaftsvertrag beim Notar: Der Notariatsakt ist Pflicht. Für eine Standard-Ein-Personen-GmbH mit Mustervertrag liegst du am unteren Ende der Spanne (Richtwert ab ca. 1.000 Euro), bei mehreren Gesellschaftern mit individuellen Regelungen (Vorkaufsrechte, Vesting, Wettbewerbsverbote) eher bei 2.000 bis 3.000 Euro oder darüber. Mein Tipp: Bei mehreren Gesellschaftern nicht am Vertrag sparen – ein sauber geregelter Streitfall-Mechanismus ist billiger als jeder spätere Anwaltsstreit.
- Musterzeichnung der Geschäftsführung: beglaubigte Unterschriftsprobe, meist im Notar-Paket enthalten.
- Firmenbucheintragung: Hier fallen Gerichtsgebühren an – die du dir mit dem NeuFöG in der Regel komplett sparen kannst (siehe nächster Abschnitt).
- Gewerbeanmeldung: kostenlos. Die GmbH braucht einen gewerberechtlichen Geschäftsführer; bei freien Gewerben wie dem Handel mit Waren (Onlinehandel) reicht dafür üblicherweise ein handelsrechtlicher Geschäftsführer mit entsprechender Funktion.
- Steuernummer & UID: Die Anmeldung beim Finanzamt Österreich über FinanzOnline kostet nichts – kostet aber Nerven, wenn die Fragebögen falsch ausgefüllt sind. Gerade die UID-Vergabe kann sich verzögern, wenn das Geschäftsmodell unklar beschrieben ist. Für Onlinehändler mit EU-Geschäft ist die UID aber essenziell.
Eine Gesellschaftsteuer auf die Kapitaleinlage gibt es übrigens nicht mehr – die wurde bereits 2016 abgeschafft. Wer das noch in alten Kostenrechnungen im Netz findet, liest einen veralteten Artikel.
NeuFöG: Der wichtigste Spartipp bei der Gründung
Das Neugründungs-Förderungsgesetz (NeuFöG) befreit echte Neugründer von diversen Gebühren und Abgaben – bei der GmbH-Gründung betrifft das vor allem die Gerichtsgebühren für die Firmenbucheintragung, dazu Stempelgebühren und bestimmte Verwaltungsabgaben.
Der Haken, an dem es in der Praxis regelmäßig scheitert: Das Formular NeuFö2 muss VOR dem Behördenweg vorliegen – ausgestellt nach Beratung durch die Wirtschaftskammer oder bestätigt über deinen Steuerberater. Wer zuerst zum Notar und zum Firmenbuch läuft und das NeuFö2 nachreichen will, hat Pech: Rückwirkend gibt es die Befreiung nicht. Das ist einer dieser Fehler, die völlig unnötig ein paar hundert Euro kosten – und einer der Gründe, warum ich Gründern rate, die Reihenfolge der Schritte einmal kurz mit jemandem durchzugehen, der sie regelmäßig macht. Genau dafür gibt es unsere Gründungsberatung.
Die laufenden Kosten: Hier entscheidet sich, ob die GmbH passt
Die Gründungskosten sind einmalig – die laufenden Kosten zahlst du jedes Jahr. Und die werden bei der Rechtsformwahl gern unterschätzt:
- Mindest-Körperschaftsteuer: 500 Euro pro Jahr – auch wenn die GmbH Verlust macht. Die Mindest-KöSt wird auf spätere Körperschaftsteuer angerechnet, ist also nicht verloren, belastet aber die Liquidität in der Anlaufphase.
- Bilanzierungspflicht: Eine GmbH muss IMMER bilanzieren – die einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, die Einzelunternehmer bis 700.000 Euro Umsatz nutzen dürfen, ist für die GmbH tabu. Doppelte Buchhaltung plus Jahresabschluss plus Offenlegung beim Firmenbuch bedeutet realistisch 2.500 bis 6.000 Euro Steuerberatungskosten pro Jahr (Richtwert; je nach Belegvolumen und Komplexität auch mehr – ein Amazon-PAN-EU-Setup ist ein anderes Kaliber als ein kleiner Shopify-Shop).
- Geschäftsführer-Sozialversicherung: Als geschäftsführender Gesellschafter bist du in der Regel bei der SVS pflichtversichert (Gesamtsatz rund 26,83 %). Plane die SVS-Beiträge von Anfang an ein – Details dazu in unserer SVS-Beratung für Selbstständige.
- Offenlegung & Nebenkosten: Jahresabschluss-Einreichung beim Firmenbuch, ggf. Wirtschaftskammer-Umlagen, Bankspesen fürs Geschäftskonto.
Meine ehrliche Einschätzung aus der Beratungspraxis: Unter rund 50.000 bis 80.000 Euro Jahresgewinn rechnet sich die GmbH steuerlich meist nicht gegen das Einzelunternehmen – die Ersparnis beim Steuersatz frisst der Mehraufwand für Bilanz und Verwaltung wieder auf. Die GmbH lohnt sich vor allem wegen Haftungsbegrenzung, Investorenfähigkeit oder wenn Gewinne im Unternehmen bleiben und reinvestiert werden sollen.
GmbH vs. Einzelunternehmen: Der Kostenvergleich
Zur Einordnung der Zahlen lohnt der direkte Vergleich mit dem Einzelunternehmen:
| Einzelunternehmen | GmbH | |
|---|---|---|
| Gründungskosten | nahe 0 € (Gewerbeanmeldung kostenlos) | ca. 1.500 – 5.000 € + Stammkapital |
| Mindestkapital | keines | 10.000 € (5.000 € bar) |
| Buchhaltung | E/A-Rechnung bis 700.000 € Umsatz | immer Bilanz (doppelte Buchhaltung) |
| Mindeststeuer | keine (ESt erst ab Gewinn über 13.308 €) | 500 € Mindest-KöSt auch bei Verlust |
| Haftung | unbeschränkt, privat | beschränkt auf Gesellschaftsvermögen |
| Gewinnbesteuerung | ESt-Tarif progressiv | 23 % KöSt + KESt bei Ausschüttung |
Wenn du gerade einen Onlineshop startest und noch nicht weißt, wohin die Reise umsatzmäßig geht, ist der Start als Einzelunternehmen mit späterer Einbringung in eine GmbH oft der pragmatischere Weg. Die ausführliche Abwägung findest du im Ratgeber Einzelunternehmen oder GmbH für den Onlineshop.
Sind die Gründungskosten steuerlich absetzbar?
Ja – und zwar ziemlich umfassend. Notarkosten, Firmenbuchgebühren, Beratungskosten und sonstige Gründungsaufwendungen sind Betriebsausgaben der GmbH und mindern den Gewinn. Zwei Punkte solltest du dabei beachten:
- Deckelung im Gesellschaftsvertrag: Damit die GmbH die Gründungskosten übernehmen darf, muss der Gesellschaftsvertrag das vorsehen – üblich ist eine betraglich gedeckelte Klausel („Gründungskosten bis maximal X Euro trägt die Gesellschaft"). Fehlt sie, bleibst du privat auf den Kosten sitzen. Ein Standardpunkt, den ein guter Notar automatisch aufnimmt – kontrollieren schadet trotzdem nicht.
- Vorsteuerabzug: Die Umsatzsteuer aus Notar- und Beraterrechnungen holst du dir über den Vorsteuerabzug zurück – auch für Leistungen, die vor der Eintragung angefallen sind, sofern sie der Gründung dienen und die Rechnungen korrekt ausgestellt sind. Belege sauber sammeln zahlt sich hier wörtlich aus.
Auch laufende Kosten wie Buchhaltung, Jahresabschluss und die Mindest-KöSt-Vorauszahlungen sind selbstverständlich Betriebsausgaben (die Mindest-KöSt ist als Steuer selbst nicht abzugsfähig, wird aber auf künftige KöSt angerechnet).
Fazit: Realistisch budgetieren statt schönrechnen
Rechne für deine GmbH-Gründung 2026 mit 1.500 bis 5.000 Euro echten Gründungskosten plus 5.000 Euro Bareinlage, die als Betriebsvermögen erhalten bleibt. Nutze das NeuFöG konsequent (NeuFö2 VOR dem ersten Behördenweg!) und kalkuliere die laufenden Kosten ehrlich ein – vor allem Bilanzierungspflicht und Mindest-KöSt machen die GmbH zur Rechtsform für Unternehmen mit Substanz, nicht für den Nebenerwerbs-Test.
Wenn du unsicher bist, ob die GmbH für dein Vorhaben die richtige Rechtsform ist, oder du den Gründungsprozess einmal komplett durchgeplant haben willst – von der Rechtsformwahl über NeuFöG bis zur UID-Nummer: In unserer Gründungsberatung gehen wir genau das durch, remote und ohne Beamtendeutsch. Speziell für E-Commerce-Gründer gibt es außerdem die Begleitung beim Onlineshop-Gründen mit Steuerberater. Das Erstgespräch ist gratis, unser Honorar bekommst du danach als Fixpreis schriftlich – keine Überraschungen, versprochen.
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE
- Echte Gründungskosten einer GmbH 2026: rund 1.500–5.000 Euro (Notar, Firmenbuch, Beratung) – das Stammkapital von 10.000 Euro kommt dazu, bleibt aber als Betriebsvermögen erhalten.
- Mindeststammkapital seit 2024: 10.000 Euro, davon mindestens 5.000 Euro bar einzuzahlen – das Geld ist ab Tag eins dein Working Capital.
- NeuFöG-Formular NeuFö2 unbedingt VOR dem Behördenweg besorgen – es spart u.a. die Gerichtsgebühren der Firmenbucheintragung, rückwirkend gibt es nichts.
- Laufende Kosten nicht unterschätzen: 500 Euro Mindest-KöSt pro Jahr und Bilanzierungspflicht (Richtwert 2.500–6.000 Euro/Jahr für Buchhaltung + Abschluss).
- Gründungskosten sind als Betriebsausgaben absetzbar – wenn der Gesellschaftsvertrag die Kostenübernahme durch die GmbH vorsieht.
Häufige Fragen
Was kostet eine GmbH-Gründung in Österreich insgesamt?
Rund 1.500 bis 5.000 Euro an echten Gründungskosten (Notar ca. 1.000–3.000 €, Firmenbuch, Steuerberatung) plus das Mindeststammkapital von 10.000 Euro, von dem 5.000 Euro bar einzuzahlen sind. Das Stammkapital ist keine Gebühr – es bleibt Betriebsvermögen deiner GmbH. Mit dem NeuFöG sparst du dir die Gerichtsgebühren der Firmenbucheintragung.
Muss ich die 10.000 Euro Stammkapital komplett einzahlen?
Nein, mindestens 5.000 Euro in bar müssen bei der Gründung auf das Gesellschaftskonto eingezahlt werden. Die restliche Stammeinlage kann später eingefordert werden. Das eingezahlte Geld ist danach frei für betriebliche Zwecke verwendbar – Wareneinkauf, Marketing, Software. Details im Lexikon: GmbH-Mindeststammkapital.
Was kostet eine GmbH laufend pro Jahr?
Mindestens 500 Euro Mindest-Körperschaftsteuer – auch bei Verlust – plus Bilanzierungskosten von richtwertmäßig 2.500 bis 6.000 Euro pro Jahr (doppelte Buchhaltung, Jahresabschluss, Offenlegung), abhängig vom Belegvolumen. Dazu kommen SVS-Beiträge für den geschäftsführenden Gesellschafter (Gesamtsatz rund 26,83 %).
Sind die GmbH-Gründungskosten steuerlich absetzbar?
Ja. Notar, Firmenbuchgebühren und Beratungskosten sind Betriebsausgaben der GmbH und die Vorsteuer daraus ist abziehbar – vorausgesetzt, der Gesellschaftsvertrag sieht die Übernahme der Gründungskosten durch die Gesellschaft (mit Betragsdeckel) vor. Ohne diese Klausel trägst du die Kosten privat.
Ab wann lohnt sich eine GmbH statt Einzelunternehmen?
Rein steuerlich meist erst ab rund 50.000–80.000 Euro Jahresgewinn, vor allem wenn Gewinne im Unternehmen bleiben. Darunter fressen Mindest-KöSt und Bilanzierungskosten den Steuervorteil oft auf. Haftungsbegrenzung und Investorenfähigkeit können die GmbH aber auch früher sinnvoll machen – die Abwägung im Detail: Einzelunternehmen oder GmbH?